Der oder das Haggis? Wir lüften das wohl unbekannteste Geheimnis rund um Schottlands Nationalgericht
Ob du Schottland gerade erst für dich entdeckt hast oder schon seit Jahren Whisky trinkst, Outlander kennst und insgeheim im Kilt-Outfit schläfst: Haggis begegnet allen Schottland-Fans irgendwann. Und spätestens dann, wenn du zum ersten Mal mit Freunden darüber redest, kommt sie. Die Frage, die sich irgendwie niemand laut zu stellen traut.
Heißt es jetzt der Haggis oder das Haggis?
Wir, Andi, Kalli, Michi und Maddin, haben uns das am Anfang auch gefragt. Und irgendwann haben wir aufgehört zu rätseln und einfach nachgeschaut. Heute teilen wir alles, was wir rausgefunden haben: den richtigen Artikel, die korrekte Aussprache und die Geschichte hinter einem der ältesten Lebensmittelnamen der britischen Inseln.
Der oder das Haggis? Hier ist die Antwort
Die kurze Version: Es heißt der Haggis.
Im Deutschen wird Haggis als maskulines Nomen behandelt. Der korrekte Artikel lautet also der, und das entspricht auch dem Duden-Eintrag, der für das Deutsche ausdrücklich das Maskulinum ausweist.
Dass trotzdem immer wieder das Haggis zu hören ist, hat einen nachvollziehbaren Grund. Im Englischen gibt es keinen grammatischen Artikel mit Genus. Das Wort kommt also ohne jeden Hinweis auf sein Geschlecht ins Deutsche, und wer unsicher ist, greift gerne zum sächlichen das, weil es sich bei Fremdwörtern irgendwie neutral anfühlt. Kennen wir. Haben wir selbst gemacht.
Aber warum „der" und nicht „das"?
Im Deutschen orientiert sich das Genus von Fremdwörtern häufig an vergleichbaren Wörtern aus dem eigenen Wortschatz. Herzhafte Fleischgerichte und Würste sind im Deutschen oft maskulin:
- der Braten
- der Eintopf
- der Pfälzer Saumagen
Haggis reiht sich da ganz natürlich ein. Der Haggis ist korrekt, auch wenn das Haggis im Alltag immer wieder vorkommt. Jetzt wisst ihr es besser.
Wie spricht man Haggis eigentlich aus?
Das ist die zweite Frage, die uns damals umgetrieben hat. Und auch hier ist die Antwort einfacher als gedacht.
Auf Englisch, genauer gesagt auf Schottisch, spricht man es aus wie HAG-is. Das erste A ist kurz und offen, fast wie in „hat". Die zweite Silbe ist unbetont und klingt wie ein schnelles, weiches is.
Wer es eingedeutscht ausspricht, sagt oft HAGG-is mit hartem G. Das ist keine Schande und wird verstanden, aber wer bei Schottland-Fans Eindruck machen will, nimmt die englische Variante. Sie klingt authentischer und fühlt sich beim Sagen ehrlich gesagt auch einfach besser an.
Ein kleiner Tipp für laute Runden
Stell dir das schottische Wort hag vor, also Hexe oder Gestrüpp im Moor, und häng einfach ein kurzes is dran. HAG-is. Das sitzt nach zweimaligem Üben, und du klingst direkt ein bisschen mehr wie ein echter Schotte. Versprochen.
Woher kommt der Name überhaupt?
Das ist der Teil, der uns am meisten fasziniert hat. Weil er so gut zum Gericht passt.
Die Sprachforscher sind sich nicht ganz einig, aber die plausibelsten Theorien führen alle in eine ähnliche Richtung: Der Name kommt von einem Verb, das so viel bedeutet wie hacken oder zerkleinern. Angesichts der Zubereitung von Haggis klingt das fast schon zu logisch.
Die wichtigsten Theorien zur Herkunft des Namens
Theorie 1: Altfranzösisch Das Wort könnte vom altfranzösischen hacheiz abstammen, was so viel bedeutet wie gehacktes Fleisch, abgeleitet vom Verb hacher (hacken).
Theorie 2: Altnordisch Andere Sprachforscher sehen den Ursprung im altnordischen höggva, was hauen oder schneiden bedeutet. Die Nordmänner haben Schottland bekanntlich stark beeinflusst, sprachlich genauso wie kulinarisch.
Theorie 3: Altenglisch Auch das altenglische haggen, also hacken und zerhacken, ist als Wurzel im Gespräch.
Alle drei haben eines gemeinsam: Der Name beschreibt die Technik der Zubereitung. Innereien werden fein gehackt und verarbeitet. Für ein Gericht aus Herz, Leber und Lunge vom Schaf passt das eigentlich perfekt.
Was steckt nochmal drin?
Jetzt wo der Name sitzt, kurz zur Erinnerung für alle, die Haggis noch nicht so gut kennen.
Klassischer Haggis besteht aus Herz, Leber und Lunge vom Schaf, gemischt mit Hafermehl, Zwiebeln, Nierenfett und kräftigen Gewürzen wie Pfeffer und Piment. Traditionell gart alles zusammen im Schafsmagen.
Klingt mutig? Ein bisschen schon. Aber genau das macht Haggis aus. Er ist ehrlich, bodenständig und überraschend lecker. Wer ihn zum ersten Mal probiert, erwartet oft das Schlimmste und bekommt stattdessen ein würziges, sättigendes Gericht, das sich sofort nach echtem Essen anfühlt. Serviert klassisch mit neeps and tatties, also Steckrüben und Kartoffeln, und fertig ist ein Teller, der wärmt.
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Fun Facts: Damit kannst du deine Schottland-Freunde beeindrucken
Wir können nicht über Haggis schreiben, ohne diese Geschichten zu teilen. Die kennen nämlich die wenigsten.
Robert Burns und sein Gedicht ans Essen Der schottische Nationaldichter Robert Burns hat dem Haggis 1786 ein ganzes Gedicht gewidmet: die Address to a Haggis. Seitdem wird am 25. Januar, der Burns Night, der Haggis feierlich mit Dudelsack in den Raum getragen und das Gedicht laut rezitiert. Beim Satz cut ye up wi' ready slight wird der Haggis mit einem Schwert aufgeschnitten. Ein Abendessen, das so aussieht, haben wir sonst noch nicht erlebt.
Das wilde Haggis-Tier In Schottland hält sich hartnäckig der Running Gag, dass Haggis eigentlich ein kleines Tier aus den Highlands sei, mit unterschiedlich langen Beinen, damit es besser an Berghängen stehen kann. Touristenläden verkaufen das wilde Haggis als Souvenir. Wir finden diese Legende bis heute großartig.
In den USA verboten Weil klassischer Haggis Schafslunge enthält, ist die Einfuhr in die USA bis heute verboten. Für amerikanische Schotten ein echtes Problem.
Wer hat Haggis wirklich erfunden? 2009 behauptete die britische Historikerin Catherine Brown, Haggis sei eigentlich englischen Ursprungs. Das älteste bekannte Rezept stamme aus einem englischen Kochbuch von 1615. In Schottland kam diese These erwartungsgemäß nicht so gut an.
Fazit: Der Haggis, HAG-is, aus Schottland mit Liebe
Der Haggis. Maskulin, ausgesprochen als HAG-is, mit Wurzeln im Hacken und Zerkleinern. Wir finden es schön, dass hinter diesem etwas sperrigen Wort eine so lange Geschichte steckt.
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